Freitag, 17. Mai 2013

Memento Mortis

Foto: www.pixelio.de
(Gedenke des Todes) Klingt recht gothiclastig, denkt Ihr? Da liegt Ihr gar nicht so falsch. Nicht nur in der Bibel werden wir an unsere Vergänglichkeit erinnert, sie wird uns an historischen Gebäuden heute noch sozusagen vor Augen geführt - gerade in Verbindung mit dem Begriff der Zeit -  z.B. mit dem Spruch "Mors certa hora incerta" (Der Tod ist gewiss, seine Stunde ungewiss), auf der Rathausuhr in Leipzig (um 1900). 

Oder erinnern wir uns an die Antike: Bei dem römischen Triumphzug  eines siegreichen Feldherrn stand hinter diesem Sklave oder Priester, der ihm einen Lorbeerkranz über den Kopf hielt und ihn dabei ununterbrochen mahnte: „Memento moriendum esse!“ – Bedenke, dass du sterben musst/sterblich bist!.
 
Der Respekt vor diesem Ausspruch ist uns leider verlorengegangen, ebenso wie der Respekt vor unseren  Mitmenschen, unserer Umwelt, manchmal sogar vor unseren Partnern. Wir verschlingen unser Leben mit dem Appetit eines Nimmersatts. Mit der gleichen Fastfoodmentalität verbrauchen wir unsere Zeit hier auf Erden, hasten im Eiltempo einander vorbei auf der Jagd nach Vorteilen und Gewinnen. Aber das letzte Hemd hat keine Taschen. Wir Menschen sind in Sachen Gier schlimmer als Vampire und plündern diesen Planeten und unsere Mitmenschen aus.


Dabei können Momente so kostbar sein. Momente des Zusammenfindens, wenn verwandte Seelen sich begegnen. Momente kleiner Wunder, wenn neues Leben geboren wird. Momente des Abschieds, des Loslassens und des Neubeginns. Bei unserem täglichen Umgang miteinander sollten wir daran denken und den Herzschlag unseres Daseins genießen, bevor er verklingt. Hören wir auf, für die Ewigkeit zu planen, die wir hier auf Erden niemals erfahren werden! Die Vergangenheit ist tot, die Zukunft noch nicht geboren. Alles, was wir haben, ist die Gegenwart, das Jetzt. Machen wir das Beste daraus - für uns, für andere, für alle!

Mittwoch, 15. Mai 2013

Graf Polignac - Jasons Erschaffer

Kindle Download
Der französische Adelige wurde zur Zeit der französischen Revolution - eher ungewollt - vom Marquis de Montespan zum Vampir erschaffen. Jahrzehnte später schuf Polignac den Hybridenvampir Jason Dawn, der zuvor als englischer Infanterist nach Ende des ersten Weltkrieges blind und ohne Gedächtnis in einem französischen Lazarett lag und mit Gott und der Welt haderte.

Wer mehr über die Vampirwelt Polignacs erfahren möchte, dem empfehle ich die Serie "Im Bann der Lilie" vor real-historischem Hintergrund. 
Darin erfahrt Ihr weitere Geheimnisse der Blutsauger und lernt Marcel Saint-Jacques und den Marquis de Montespan kennen, die nicht nur Zuneigung verbindet. 

Die Serie erscheint als Ebookserial im Club der Sinne, einzeln oder als Sammelband mit den Bänden 1-3. Ein weiterer und letzter Band erschien erst dieses Jahr, da viele wissen wollten, wie die Geschichte von Marcel weitergeht. 



Bild: Anna Kery für "Im Bann der Lilie"

Montag, 13. Mai 2013

Der Duft der Vampire: Patchouli

In der Gothicszene gilt Patchouli allgemein als der wohl beliebteste Duft, der auch gerne mit anderen Duftkomponenten wie Vanille oder Fruchtaromen gemischt wird. Es gibt bereits unzähle Duftvarianten. Auch die berühmten Parfümhersteller können nicht ohne ihn arbeiten, um ein Parfüm mit einer orientalischen Note zu versehen. In Asien gilt es als Heilkraut und desinfizierend. Außerdem soll es Motten und Silberfischchen vertreiben. Eine selten vielseitige Pflanze! Aber wußtet Ihr, dass dieser Duft bereits in den 60er- und 70er-Jahren sehr beliebt war bei der Hippiekultur? Er sollte den Geruch von Cannabis überdecken.

Nicht zuletzt findet man Patchouli auch bei Voodoo-Ritualen, um dem Geist Ruhe zu schenken und eine harmonische Umgebung zu schaffen. Eingesetzt wird es auch bei Tantrameditationen, da es sexuelle Verspannungen und Ängste abbauen soll. Vielleicht ist genau das der Grund, warum man so gerne diesen Duft mit den Verführungskünsten und der sinnlichen Ausstrahlung eines Vampirs in Verbindung bringt! (ck)

Donnerstag, 9. Mai 2013

Special Vampire Magic Magazin zur Bloodycon

Zum Vortrag auf der BloodyCon am 07.06.13 um 18 Uhr  haben wir einmalig ein kleines Print-Special als Broschüre vorbereitet mit einem kurzen Abriß der Vortragsthemen, kurzen Geschichten etc.. 

So eine Art Mini "Best of" Vampire Magic Magazin. 

Das gibt es umsonst für alle Zuhörer solange der Vorrat reicht!

Montag, 6. Mai 2013

Die Stunde der Entscheidung

Rita´s Theme
Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle muss Jason Dawn seiner Rita die Entscheidung abnehmen, ob sie mit einem Vampir zusammen sein kann. Dazu gibt es sogar einen Soundtrack. Hier eine Leseprobe aus dem ersten Band "Lebensadern":



Mittlerweile durchsuchte die Hamburger Polizei die bekannten Bordelle und Clubs auf der Suche nach Rita Hold. Bislang vergebens. Eddy hatte sie in sein „Privatbordell“ gebracht, wie er es liebevoll nannte, eine heruntergekommene Villa am Stadtrand. Es bereitete ihm großes Vergnügen, wenn er daran dachte, dass er eine von Hamburgs besten Kripobeamtinnen zu einer Prostituierten machen würde. Und das schon heute Abend. Vergnügt rieb er sich die Hände. Er freute sich schon auf die Party. Vorher würde Eddy der „Neuen“ noch eine kleine Dosis Voodoo verabreichen, dann würde es  ihr vielleicht sogar Spaß machen. Er grinste breit. Sie war eine verdammt hübsche Frau.



Jason Dawn spürte bei seiner Ankunft, dass Ritas Wohnung verlassen war. Sollte sie um diese Uhrzeit wirklich noch arbeiten? Doch der einzige, den er noch im Büro vorfand, war Kommissar Welsch, und der sah ganz und gar nicht glücklich aus.

Mit einigen Worten schilderte er Jason, was geschehen war und, dass man Rita bislang immer noch nicht gefunden hatte. Jason machte sich nun selbst auf die Suche.



„Die Kleine rührt sich nicht mehr. War wohl doch was zuviel von dem Dreckszeug“, flüsterte Chantal dem Zuhälter Eddy ins Ohr, als die Party gerade im vollen Gange war. Chantal hatte Rita auf Eddys Anweisung hin eine Spritze geben müssen. Das Zeug wirkte intravenös sehr viel schneller und intensiver. Aber jetzt wurde der dicke Zuhälter doch nervös. Er lief nach oben, um sich persönlich von Ritas Zustand zu überzeugen. Sie lag bewusstlos auf dem Bett, atmete nur sehr flach. Eddy geriet in Panik.

„Schafft Sie weg, schnell und unauffällig!“, ordnete er an. Dann ging er zurück zu seinen Gästen, als ob nichts geschehen wäre.



Mitten in der Nacht warf man Rita Hold aus einem fahrenden Auto. Sie lag bewusstlos in einer Seitenstraße und brauchte eigentlich dringend ärztliche Hilfe. Doch es war niemand da. Und wenn ein Passant gekommen wäre, so hätte er sie für eine betrunkene Obdachlose gehalten, so wie sie aussah.

Eine Stunde verging, und ihr Zustand verschlechterte sich.

Es war höchste Zeit, als Jason Dawn kurz nach Mitternacht aus der Dunkelheit auftauchte. Er witterte das Gift in ihrem Körper und den zunehmenden Verfall. Ohne zu zögern hob er sie auf und brachte sie zu seiner Wohnung. Hoch oben über den Dächern von Hamburg, ganz anonym in einem Wohnblock, befand sich sein Apartment. Er brauchte kein Licht, um sich zurechtzufinden und legte Rita auf sein Bett. Sie atmete noch, aber nur stoßweise.

Er holte ein Glas Wasser aus der Küche, dann hielt er kurz inne, schien zu überlegen. Dabei setzte er sich auf die Bettkante.

„Verzeih mir, Rita“, sagte er leise zu der Bewusstlosen, „dass ich dir die Entscheidung abnehmen muss. Aber mit dieser Dosis in deinem Körper sieht deine Zukunft nicht mehr sehr gut aus. Und ich glaube nicht, dass die Ärzte das für dich tun können, was ich jetzt tue.“

Dann riss er mit seinen Eckzähnen die rechte Pulsader auf und ließ einige Tropfen Blut in das Glas fallen. Er richtete die halbtote Rita auf und flößte ihr den Trank ein.

Sie begann zu husten. Es dauerte eine kleine Weile, dann schlug sie die schönen, braunen Augen wieder auf. Erst langsam erkannte sie ihn in der Dunkelheit.

„Jason….was?“, erschöpft fiel sie zurück in die Kissen.

„Ganz ruhig, Liebes. Ich musste es tun. Die Droge hatte dich bereits verändert“, hörte sie seine Stimme.

„Soll das heißen…?“ Sie richtete sich wieder etwas auf.

Jason nickte. Er konnte in der Dunkelheit sehen, wie sich ihr Körper erholte. Sie sah auf einmal wieder so lebendig aus, so jung. Ihre Augen waren wieder klar und wach. Das Gift schien aus ihrem Körper verschwunden.

„Bin ich jetzt …?“, wieder ließ sie den Satz unvollendet.



„Unsterblich, ja! Und keine von uns!“, bestätigte ihr der junge Vampir. „Aber deine Seele ist nun für immer mit der meinen verbunden, wenn man dem alten Buch aus Glasgow Glauben schenken darf.“

„Oh, Gott!“ Rita schloss die Augen. Sie hatte Mühe, diese Tatsache zu akzeptieren. Ihr war schwindlig, aber das war jetzt nur die Aufregung.

„Schlaf dich aus!“, sagte Jason und strich ihr sanft übers Haar. Er wachte die ganze Nacht über ihren Schlaf.

Montag, 29. April 2013

Walpurgisnacht

Foto: www.pixelio.de
Morgen ist es wieder soweit: Walpurgisnacht. Die feierte man zwar ursprünglich vor allem im Harz, denn dort tanzten ja die Hexen auf dem Brocken. Aber auch Nicht-Magier genießen den "Tanz in den Mai", wie es heute heißt. Für alle diejenigen, die noch etwas über den "alten" Glauben (ich sage hier ganz bewußt nicht Aberglauben) erfahren möchten, habe ich ein paar Orakel herausgesucht:
Gebe zu Walpurgis (30.4.) etwas Erde auf einen Stein und pflanze darauf zwei Vergißmeinnicht (Myosotis) . Wenn diese aufeinander zuwachsen, wird dir dein Geliebter auch treu bleiben bzw. eure Hochzeit bevorstehen

Der am Walpurgisabend gepflückte Lerchensporn (Corydalis) wurde zum Räuchern für das behexte Vieh verwandt.

Wer in der Walpurgisnacht einen Gundelrebenkranz (Glechoma) trug, erkannte angeblich alle Hexen; in der ersten Mainacht gepflückt, mit Salz und Hafer vermischt, dem Vieh als Schutz gegeben, half die Pflanze gegen angezauberte Krankheiten.

Es wird berichtet, dass an diesem Tag sich die Mädchen mit einem Efeukranz schmückten, dessen Zauberkraft den Geliebten anlocken sollte. (Quelle: zauber-pflanzen.de)

Übrigens gibt es ein ähnliches Fest in Irland und Schottland: Beltane. Im keltischen Kalender gilt es als der Beginn des Sommers und ist dem Gott Baal (auch Bel oder Baldur) gewidmet. Auch dabei werden Feuer entzündet. Die Häuser dort werden mit Blumen geschmückt (hier ist es traditionell der Maibaum als Fruchtbarkeitssymbol).

Montag, 22. April 2013

Vampirjäger "auf Schalke" !

Diesmal nehme ich Nathan Lynch, den Grabschänder und Vampirjäger aus New York, mit zu einer Messe, die über das gesamte Pfingswochenende laufen wird:

Lesung aus "Der Grabschänder" am Pfingstsonntag, den 19.05.13 um 13:20 Uhr

Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hat im März die Schirmherrschaft über die "agilia" 2013, die erste Erlebnismesse für Menschen ab 50 in Gelsenkirchen, übernommen. Die Veranstaltung findet von Samstag, 18. Mai bis Pfingstmontag, 20. Mai in der VELTINS-Arena auf Schalke statt. In diesem Rahmen wird es an allen drei Tagen Lesungen mit vielen Autoren unterschiedlicher Genres geben! Ich freue mich nicht nur auf meine Lesung am Sonntag, sondern auch darauf, viele nette Kollegen zu treffen.

Montag, 15. April 2013

Vortrag auf der BloodyCon

Am 07.06.2013 hält die Autorin der Jason Dawn Saga einen Vortrag auf der BloodyCon zum Thema "Vampirsymbolik in der Geschichte und im Alltag".  
Bei diesem Event treffen sich alle Fans der Blutsauger, nicht nur die der Stars aus der Vampire Diaries Serie, die natürlich auch vor Ort sein werden. Die Con geht über das gesamte Wochenende, also bis Sonntagabend und hat einiges zu bieten. Noch könnt Ihr Tickets ergattern!

Wir freuen uns auf alle Vampirfans im Swissotel, Neuss. Beginn des Vortrages ist um 18 Uhr am Freitag.

Montag, 8. April 2013

Leseprobe aus Lux Aeterna I



Das Herz des Vampirs

Die Liebe eines menschlichen Wesens hatte Jason Dawn vor gar nicht allzu langer Zeit eine Art von „Seele“ zurückgegeben. Er hatte sie nicht gebissen und doch ihr Blut getrunken, das sie freiwillig gegeben hatte, und er hatte sie auch nicht getötet.
Aus einem seelenlosen Untoten, der mit seinem Dasein und mit Gott haderte, war ein Kämpfer für die Gerechtigkeit geworden, der Seite an Seite mit den Kommissaren Harald Welsch und Rita Hold gegen das Verbrechen kämpfte.
Doch er kämpfte noch einen anderen – inneren – Kampf, genau wie die Frau, die ihn liebte – Rita Hold.
Nur ein Blutsbündnis mit einem Grenzgänger-Vampir konnte ihre beiden Welten einander angleichen, um dieser Liebe eine Zukunft zu geben, ohne den Menschen zum Vampir werden zu lassen.
Der Preis dafür war hoch: Dazu musste die zeitliche Trennung aufgehoben und ein Mensch unsterblich werden. Eine menschliche Seele musste auf ihr Recht auf Tod und Wiedergeburt freiwillig verzichten. Und diese Tatsache würde Jason Dawn endgültig von dem Fluch des Bluttrinkens erlösen, nicht jedoch aus der Unsterblichkeit befreien. Sollte er aber in seine alte Natur zurückfallen, so würde er die menschliche Seele mit in das Verderben reißen. Aber es war die einzige Möglichkeit, ein unendliches Leben lang mit Rita zusammen bleiben zu können, wenn sie bereit sein würde, ein paar Tropfen seines Blutes zu trinken, um den Energieaustausch zu vollziehen.
Seit einiger Zeit war Jason inzwischen auf der Suche nach einem der Grenzgänger, die sehr selten waren. Sie entstanden zu der Zeit, als die Evolution den Vampiren neue Fähigkeiten verlieh und die alten wie die neuen Eigenschaften ineinander übergingen. Und während die alten „Meister“, die sich nicht anpassen konnten an die moderne Welt, weiterhin im Verborgenen blieben und nur Menschen zu Vampiren formen konnten, konnten die Grenzgänger genau wie die Hybriden, zu denen auch Jason gehörte, mitten unter den Menschen leben, aber auch auf andere Vampire ihre Eigenschaft des „Erschaffens“ durch einen zweiten Biss übertragen. Der einzige Nachteil der Grenzgänger war, dass sie ab und zu „schlafen“ mussten, und dieser Schlaf konnte Jahrzehnte oder Jahrhunderte überdauern.

Natürlich konnte man auch Jason als Vampir töten, doch das Geheimnis darum hatte er niemals preisgegeben. Fest stand, dass die heutigen Hybriden-Vampire immun gegen Sonnenlicht wie auch gegen die „klassischen“ Waffen waren. Dafür konnten sie keine weiteren Vampire durch ihren Biss erschaffen. Die Natur sorgte eben immer für einen Ausgleich. Aber sie hatte nicht vorgesehen, dass ein Mensch und ein Vampir sich verlieben würden.

* * *

Jason besuchte in dieser Nacht den Landsitz Marywood außerhalb von London, den letzten bekannten Wohnsitz des Pianisten und Grenzgänger-Vampirs Richard Tabatha. Das Haus stand seit nunmehr fast zwei Jahren leer. Lediglich die Haushälterin Lilly und Joshua, der Butler, bewohnten das Anwesen. Die beiden Menschen waren Vertraute des Vampirs, unter dessen Einfluss sie auch standen. Tabatha hatte damals Lilly aus einer Laune heraus von seinem Schicksal und dem seiner geliebten Schwester erzählt.
Als die damalige Assistentin von Kommissar Welsch, Tamara Hansen, die seine geheimnisvollen Morde untersuchte, auf Marywood zu Gast war, erfuhr sie von dem Familiengeheimnis und verfiel dem Vampir als Gefährtin.
Jetzt geisterte Jason wie ein Schatten durch dieses weitläufige Haus mit den stilvollen, antiken Möbeln, die mit weißen Tüchern abgedeckt waren. Er suchte nach Hinweisen auf den jetzigen Aufenthaltsort von Richard Tabatha – und er fand sie!
Offenbar hatte der berühmte Pianist seine reichhaltigen Gagen in mehreren Immobilien angelegt, darunter in eine riesige Farm in Paraguay. Und das Schiff, mit dem er und Tamara damals geflohen waren, war nach Südamerika unterwegs gewesen.
Paraguay war ein riesiges, dünn besiedeltes Land und auf einer Rinderfarm mit tausenden von Tieren konnten er und seine Gefährtin unerkannt jahrelang von Tierblut leben und so unentdeckt bleiben. Auf diese Weise waren sie nicht von dem künstlichen Blut abhängig, das die Regierungen den Vampiren lieferten. Ein geniales Versteck. Jason hoffte nur, dass Tabatha nicht seinen Schlafzyklus begonnen hatte. Seine Gefährtin Tamara konnte bei seinem Biss genauso gut Grenzgänger wie Hybrid geworden sein. Da war Jason sich nicht sicher.

Zwei Tage später berichtete er Rita Hold von seinem Plan.
„Und du denkst wirklich, dieser Tabatha wird auf den Handel eingehen?“, fragte sie.
„Er hat zumindest keinerlei Nachteile davon“, grinste Jason.
„Aber du, oder?“
„Nicht direkt. Bisher hat kein Vampir einen zweiten Biss von einem Grenzgänger empfangen“, sagte er.
„Na toll, zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Dr. Sommer“, ulkte Rita zynisch. Dann wurde sie wieder ernst. „Ich möchte nicht, dass du dich unnötig in Gefahr begibst“, meinte sie besorgt.
Jason lümmelte sich auf dem Sofa, in seiner manchmal flegelhaften Art war er kaum zu ertragen. „Was möchtest du denn überhaupt?“, fragte er jetzt geradeheraus. „Willst du mit mir zusammen sein oder nicht? Und wenn ja, in welcher Weise?“
Rita war perplex wegen seiner direkten Art.
Jetzt lachte er. „Keine Angst, das war kein Heiratsantrag. Ich will nur wissen, ob es dir mit uns ernst ist.“
„Du bist einfach unmöglich!“, schimpfte sie.
„Eben! Überleg dir gut, ob du mich für den Rest der ‚Ewigkeit’ ertragen kannst.“ Bei diesem Satz lag etwas Herausforderndes in seinen dunklen Augen. „Noch kannst du zurück, Rita. Ich werde kein Risiko eingehen, wenn du keine Zukunft mit mir willst.“
Die Gedanken der jungen Frau fuhren Karussell. Dass er so schnell eine Entscheidung fordern würde, hätte sie nicht gedacht.
Er stand auf und ging auf sie zu. Im Gegensatz zu früher wich sie nicht mehr vor ihm zurück. Jedes Mal, wenn er ihr so nahe war, fühlte sie sich wie ein willenloses Werkzeug. Vielleicht hatte der Kommissar doch Recht und sie erlag nur der Faszination, die allen Vampiren eigen war? Sie stand mit dem Rücken zur Wand – nicht nur bildlich gesprochen. Jason hatte sie wie eine Beute in die Ecke gedrängt. Seine Arme glitten um ihre Taille, und er küsste sie zum ersten Mal. Sanft und doch leidenschaftlich. Und als er von ihr ließ, sagte er nur: „Ich will dich ganz oder gar nicht. Denk darüber nach.“ Dann verschwand er so schnell, wie er aufgetaucht war.

* * *

Es war das erste Mal nach Jahrzehnten, dass Rita Hold wieder eine Kirche aufsuchte. Vielleicht konnte man ihr hier in Sachen „Ewigkeit“ weiterhelfen. Sie hatte das Gefühl, sich in einem riesigen Labyrinth verlaufen zu haben. Ihr ganzes Herz schien ein einziger Irrgarten zu sein. Konnte sie ohne Jason leben? Die Antwort lautete: Ja. Aber wie? Würde sie jemals wieder einen Menschen ertragen können? Oder würde sie ständig Vergleiche ziehen? Das wäre ungerecht. Sie war eine attraktive Frau Mitte Dreißig, hatte Karriere gemacht, sich bis zur Kommissarin hochgearbeitet und wofür das alles? Auf Kinder würde sie verzichten müssen, wenn sie sich für Jason entschied. Und auf den Tod auch. Jedenfalls auf einen Tod durch Altersschwäche.
Andererseits würde sie für immer jung bleiben, ihr Körper würde keine Gebrechen haben, sie würde miterleben, wie die Jahrzehnte und Jahrhunderte vergingen, wie die Menschen sich veränderten, wie alles um sie herum starb. Und überhaupt, was würde aus ihrem Job?

Sie würde höchstens noch zehn Jahre bei der Kripo Hamburg arbeiten können, dann würde es auffallen, dass sie nicht mehr alterte. Sie würde ständig neue Identitäten suchen müssen, um teilzuhaben an der menschlichen Gesellschaft. War es das alles wert?
Rita verbarg ihr Gesicht in beiden Händen. Sie kniete im Seitenschiff vor einer Marienstatue. Und sie hoffte, dass irgendjemand ihr einen Weg aus dieser Ausweglosigkeit würde zeigen können.

Sie wusste nicht, dass Jason ihr gefolgt war. Er spürte ihre Unsicherheit, ihre Ängste. Gotteshäuser schreckten die Hybriden-Vampire nicht mehr ab. Jetzt war er nur ein Schatten hinter einer Säule. Er sah ihre Tränen. Und obwohl er ihre Gedanken hätte lesen können, tat er es nicht. Er respektierte ihr Zwiegespräch mit Gott.
Auch Ritas Chef, Hauptkommissar Harald Welsch, hatte bemerkt, dass seine Partnerin in den letzten Tagen sehr unkonzentriert war. Sie sah blass aus. Welsch hatte sich bisher zurückgehalten, doch heute sprach er sie an. „Rita, ich sehe doch, dass es Ihnen nicht gut geht. Falls Sie reden möchten…“
Rita schüttelte den Kopf. „Schon gut, Chef. Das ist ein rein privates Problem.“
„Und das hat nicht zufällig mit unserem ‚Freund’ zu tun?“, hakte der Kommissar nach.
Rita lächelte gequält.
Welsch lenkte ein. „Lassen Sie nur. Es ist Ihre Zukunft und Sie werden schon die richtige Entscheidung treffen. Sie sind schließlich eine intelligente junge Frau.“ Sein Tonfall war fast väterlich. 
Rita haderte bereits seit Tagen mit sich selbst und sie war froh, dass Jason sich in der Zwischenzeit nicht mehr gemeldet hatte. Obwohl sie ihn auch irgendwie vermisste.

Mittwoch, 3. April 2013

Die Fledermaus in unserer Kultur

Diese nachtaktiven Tiere gelten bis heute als Symbol für die Fähigkeit des Gestaltwandelns eines Vampirs und als Vorboten für Unheil. In der Jason Dawn Saga wird der fledermausartige Vampirgott Camazotz erwähnt. Hier ein Textauszug aus dem Fledermausportal, der mehr über den Aberglauben um diese Tiere verrät:

Die alten Römer nagelten sie an ihre Stalltüren, um sich so vor Hexen und Krankheiten zu schützen. Ihr lautloses Erscheinen galt in der Antike als Vorzeichen drohenden Unheils oder kündete einen Sturm an. Fledermäuse waren seit alters her von Vorurteilen umrankt und wurden mit mystischen, heutzutage eher skurril wirkenden Vorstellungen in Verbindung gebracht.

Ihre Lebensweise jedoch, ihr manchmal bizarres Aussehen und ihre Fähigkeit, auch in tiefster Dunkelheit schnell und sicher zu fliegen, hat die Phantasie vieler Völker beflügelt und an Urängste vor Finsternis, Nacht und Tod gerührt. Für den Menschen war es, und ist es leider, über Jahrtausende unfassbar und unheimlich, wie sich die Fledermäuse lautlos in dunkler Nacht fortzubewegen vermochten. Was lag näher, als den Fledermäusen magische Kräfte zuzuschreiben oder sie im Bunde mit den Mächten der Finsternis zu wähnen. Der Teufel und seine Kumpane sind wohl nicht zuletzt deshalb
auf vielen mittelalterlichen Gemälden mit Fledermausflügeln dargestellt worden, während Engel immer Vogelflügel haben.
Schon im alten Rom schrieb Divius Basilius „die Natur der Fledermaus sei mit der des Teufels blutsverwandt".


In Finnland soll noch der Glaube verbreitet sein, die Seele verlasse als Fledermaus den Körper des Schlafenden und kehre erst am frühen Morgen wieder zurück. Den Südslawen galten Fledermäuse als Pestboten, die über den Köpfen der vom Tode gezeichneten. Menschen flogen.
Auch heute noch wird in Bosnien und der Herzegowina ihre „aphrodisische" Wirkung geschätzt: um die Angebetete gefügig zu machen, soll es nämlich helfen, ihr heimlich Fledermaushaare in Getränke zu mischen oder sie unbemerkt mit einem Fledermausknöchelchen zu berühren.
Wer dagegen keine Angst vor Fledermäusen hatte, begann rücksichtslos ihre angeblichen übersinnlichen Fähigkeiten zu nutzen. Die Mediziner der Kopten im nachchristlichen Ägypten schätzten die vermeintlich überdurchschnittliche Sehfähigkeit der Fledermäuse. Folglich glaubten sie, Fledermausurin könne, wenn man ihn gut mit der Galle des Nilkarpfens und dem Saft der wilden Raute mische, Sehstörungen heilen. Der Naturforscher Albertus Magnus schrieb im 13.Jahrhundert:"Wenn Sie etwas in tiefer Nacht sehen möchten und nichts mehr am Tag vor ihnen verborgen sein soll, wenn sie in dunkler Nacht Bücher lesen möchten, dann salben sie ihr Gesicht mit dem Blut einer Fledermaus, und alles wird sich so ereignen, wie ich es gesagt haben."Kaum zu glauben: In New York mussten die Behörden noch in den sechziger Jahren einschreiten, um den Verkauf von Fledermausblut zu verbieten.Kaum ein Gebrechen findet man in alten Schriften, gegen das nicht Fledermäuse, in irgendeiner Form verarbeitet, helfen sollten. Um Krankheiten vorzubeugen trug man Amulette aus getrockneten Fledermausherzen.


Ein arabischer Arzt empfahl in seinen Schriften in Sesamöl gekochte Fledermäuse gegen Ischias, gegen Asthma hingegen lieber in Jasminöl zubereitet. In Indien werden auch heute noch lebende Flughunde auf Märkten verkauft. Nicht zum Verzehr, wie es in einigen südostasiatischen Ländern üblich ist, sondern damit die frisch abgezogene Haut, auf kranke Körperteile gelegt, von Hexenschuss und Rheuma befreien möge. In der Religion vieler alter mittelamerikanischer Kulturen, vor allem bei den Mayas, haben Fledermäuse eine wichtige Rolle gespielt. Sie wurden verehrt, und einer ihrer Gottheiten, ein Mensch mit Fledermauskopf und ausgebreiteten Flügeln, brachte man Opfer dar.


Noch heute trägt ein Teil der Cakchiquel- Mayas im Hochland Guatemalas den Namen „Zotzil", >den Fledermäusen gehörig<. Ihr Gott ist die Fledermaus und ihre Hauptstadt „Zinacantlan" >Platz der Fledermäuse<. Die Zapoteken im mexikanischen Staat Oaxaca verehrten die Fledermaus als Todesgott und gestalteten Todesurnen und Grabreliefs mit fledermausähnlichen Abbildungen. Inder Unterwelt herrscht „Camazotz", die Todesfledermaus. Die Hieroglyphe für Fledermaus, ein Fledermauskopf, ist auf zahlreichen Mayagefäßen und in Handschriften verewigt. Seit drei Jahrtausenden immerhin ermahnt das 3.Buch Moses im Kapitel 11 alle Juden und Christen:" und dies sollt ihr scheuen unter den Vögeln, dass ihr's nicht esset: den Adler, den Habicht, den Fischaar,....., den Schwan, den Uhu und die Fledermaus." Der Vogel Fledermaus gilt seither als „unrein", sein Genuß ist verboten.
Der berühmte Züricher Naturforscher Konrad Gesner wusste es in seinem Buch „Historia Animalum" aus dem Jahre 1581 kaum besser zu beschreiben. Seiner Meinung nach ist die „Fledermaus ein Mittelthier zwischen dem Vogel und der Mauß, also, dass man sie billich ein fliegende Mauß nennen mag, wiewohl sie weder under die Vögel noch under die Mäuß kann gezehlet werden, dieweil sie beyder Gestalt an ir hat". Bis in die heutige Zeit hat sich der Glaube gehalten, Fledermäuse würden in die Haare fliegen und konnten nur durch Abschneiden der Haare wieder entfernt werden.


Nicht in allen Kulturkreisen begegnet man den Fledertieren mit irrationalen Ängsten und Aberglauben. Auf Bali werden die in den Tempelgrotten lebenden Flughunde heute verehrt und streng geschützt. In China waren Fledermäuse hoch angesehen. Sie ziehren als Glücksbringer Jade- und Elfenbeinschnitzereien; alte chinesische Roben sind mit Fledermausmedallions bestickt. Das chinesische Wort „ fu" bedeute Glück und Fledermaus zugleich.
 


(Quelle/Text: wwww.fledermaeuseintuebingen.de, 2009)

Von den Zigeunern wurde überliefert, dass man manchmal die Knochen einer Fledermaus in einer Tasche mit sich trug, um Glück zu haben.